Ein neuer Fokus für Delfin-Schützer, die Japan besuchen?

Wie für viele japanische Aktivisten war die Oscar-prämierte Dokumentation „Die Bucht“ ein Weckruf für mich, der mich auf das schreckliche Problem der Delfintreibjagd in Japan aufmerksam gemacht hat. Bis dato wussten wir Japaner wenig mehr als der Rest der Welt über das, was in der Bucht von Hatajiri vor sich ging. In dieser Hinsicht sind wir Ric O’Barry und den anderen Aktivisten, die den Film erstellt haben, zutiefst dankbar.

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die in Tokio ansässige Gruppe „Action for Marine Mammals“ ihre Gründung der Aufklärung, für die die Aktivisten gesorgt haben, verdankt.

Zurzeit konzentriert sich unsere Arbeit darauf, uns der Delfintreibjagd entgegenzustellen, den Walfang im Südpolarmeer zu beenden und in Gefangenschaft lebende Meeressäuger, die für Unterhaltungsshows abgerichtet werden, zu retten. Ein grundlegender Unterschied zwischen der Situation in Tokio und der in Taiji ist, dass die japanischen Aktivisten unabhängig voneinander für ein Ende der Delfintreibjagd arbeiten.

Selbstverständlich ist Taiji in Wakayama das Zentrum der Delfintreibjagd. Doch egal, wie eingehend die Situation in diesem abgeschiedenen Dorf überwacht wird, ändert sich an der Situation nichts. Es ist zwecklos, wenn Ausländer die dortigen Fischer über die Grausamkeit der Jagd belehren. Solange die Nachfrage (Delfin-Shows) besteht, wird es auch ein Angebot (Treibjagden) geben. Solange sie die Genehmigung haben, einige Delfine zu töten, werden sie weiterhin deren Fleisch essen. Diese Genehmigungen werden von der Regierung in Tokio erteilt. Wenn es keine Änderungen in Tokio gibt, wird sich in Taiji nichts ändern. Wenn wir keine Reformen im Zentrum der Nation durchsetzen können, wird sich am Bewusstsein und den Institutionen in den Provinzen auch nichts ändern. Es ist traurig, aber heutzutage ist Japan ein solches Land.

Es gibt etwas, dass ich den Cove Monitors von Save Japan Dolphins (SJD), den Cove Guardians von Sea Shepherd und anderen, ähnlichen Organisationen, die sich in Taiji engagieren, sagen möchte: Es wird weder als normal, legitim, geschweige denn als akzeptabel angesehen, dass Aktivistengruppen aus Übersee in dieser abgelegenen Ecke Japans tätig sind, so als sei sie ihr eigener Hinterhof. Die derzeitige Präsenz und die Aktionen der Wächter tragen lediglich dazu bei, anti-japanische Vorurteile, Diskriminierungen und Hass zu schüren. Das ist weder notwendig, noch ist es irgendwie nützlich. Solltet ihr der Ansicht sein, ihr würdet so japanische Aktivisten unterstützen, irrt ihr euch gewaltig. Einige eurer Anstrengungen wurden bereits als Versuch interpretiert, eine japanische Marionetten-Organisation aufzubauen.

Wenn ihr dieses Problem einmal von der anderen Seite sehen würdet, könntet ihr sehr leicht verstehen, warum die Menschen in Taiji bislang all euren Bestrebungen widerstanden haben. Ist es nicht an der Zeit, ernsthaft über die traurige Tatsache nachzudenken, dass die Anstrengungen von ausländischen Aktivistengruppen einen umgekehrten Effekt in Taiji haben?

Warum kommt ihr nicht nach Tokio und stellt die Regierung in Kasumigaseki mit aller Deutlichkeit zur Rede, anstatt euer Licht in dieser abgelegenen Ecke zu verstecken? Wie wäre es, gegen die Delfinarien zu protestieren, welche die eigentliche Wurzel des Problems darstellen? Warum nicht die japanische Öffentlichkeit über das Problem aufklären? Es gibt andere Orte, an denen Arbeit zu tun ist. Man muss darauf aufmerksam machen, dass der Ursprung des Verbrechens nicht dasselbe ist wie der Tatort.

Tatsache ist, dass es in der Bucht von Taiji nichts mehr für ausländische Aktivisten zu tun gibt. Ich bitte euch, Taiji zu verlassen. Wenn ihr die Delfine Japans retten möchtet, hoffe ich, dass ihr die Zäune zwischen den Organisationen und die Mauern zwischen den Nationen überwinden und eure Möglichkeiten mit denen der japanischen Aktivisten hier in Tokio vereinen werdet. Zusammen können wir Japan verändern.

Toshiaki Morioka, Repräsentant von „Action for Marine Mammals“